Schröder: In Frauen-Nationalmannschaft herrscht zu viel Demokratie

Nach der 2:3-Heimniederlage der deutschen Frauen-Fußballnationalmannschaft in der WM-Qualifikation gegen Island geht Trainerlegende Bernd Schröder mit dem Team hart ins Gericht: "In der Nationalmannschaft herrscht zu viel Demokratie. Da haut keiner mal auf den Tisch, weil es der Mannschaft auch an echten Leadertypen fehlt", kritisiert der einstige Meistermacher von Turbine Potsdam in der "Welt" (Montag). "Die heutige Generation will als Team funktionieren. Das kann sie auch, trotzdem brauchst du auch ein paar Reibungspunkte im Team. Die sind alle zu anständig und ordentlich miteinander, Fußball braucht Action."

Foto: Lena Goeßling (Deutsche Frauen-Fußballnationalmannschaft), über dts Nachrichtenagentur

Das Debakel nur an Bundestrainerin Steffi Jones festzumachen, empfindet Schröder als nicht gerechtfertigt. "Natürlich muss sie den Kopf hinhalten, doch allein kann sie nichts machen. Sie hat einen Stab von über 15 Personen um sich herum, hinzu kommen die Spielerinnen. Jeder von denen sollte sich ehrlich hinterfragen." Allerdings möchte der Brandenburger seine Kollegin auch nicht in Schutz nehmen: "Es fällt Steffi schwer, authentisch die Mischung zu finden, wo sie eigentlich mit ihrem Stab steht. Sie braucht einfach mehr Erfahrung. Sie ist eine liebe, nette Frau, doch sie muss sich strecken und ein vernünftiges Umfeld um sich herum aufbauen. Im Moment ist sie völlig verunsichert." Schröder rät der Bundestrainerin, die seit dem Vorjahr im Amt ist, für die verbleibenden Qualifikationsspiele "rasch zur Tagesordnung überzugehen. Steffi muss die Mädels stark reden, ihnen eintrichtern, wir haben eine gute Mannschaft, wir haben gute Spielerinnen, und die muss sie an ihrer Ehre packen. Sie muss ihnen sagen, es geht nur mit maximaler Einsatzbereitschaft und Kampf bis zum Letzten. Das passiert aber nicht", sagte Schröder: "Wenn du stundenlang diskutierst, hört irgendwann keiner mehr hin." Gleichzeitig fordert Schröder eine Rückbesinnung auf den einstigen Erfolgsfußball. "Unsere Taktik war davon geprägt, kämpferisch nach vorne zu spielen, über die Flügel zu kommen, hinten sichern, möglichst ohne Gegentor auszukommen. Das muss wieder praktiziert werden", so der 75-Jährige, "und nicht dieses hinten Quergespiele und den Ball ins Tor tragen wollen." Außerdem ist es laut Schröder an der Zeit, dass auch mal ein männlicher Trainer die Nationalmannschaft betreut. Auf seine Intervention wurde Markus Högner schon als Co-Trainer installiert. Er ist der erste Mann, der in einer Frauen-Auswahl mitarbeitet. "Frauen nur unter sich geht nicht, die hauen sich nur gegenseitig in die Pfanne. Insofern ist das mit Markus schon mal ein Anfang." (dts Nachrichtenagentur)

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