Wo liegen die Gründe für die Ergebniskrise des BVB?

Wir schreiben den 7. Spieltag und Borussia Dortmund hat gerade den FC Augsburg auswärts mit 2:1 geschlagen. Dass die Jungs von Neu-Borussen-Trainer Peter Bosz dabei keineswegs glänzten und auch nicht mehr den Esprit der vergangenen Spiele versprühten, störte kaum jemanden. Immerhin stand Dortmund nach diesem Spieltag mit 5 Punkten Vorsprung vor den Bayern auf dem 1. Tabellenplatz, hatte teilweise berauschenden Fußball geboten und bei 21 geschossenen Toren gerade mal 2 kassiert. Wohl kaum jemand hätte zu diesem Zeitpunkt trotz verlockender Quoten Wetten auf die nächsten Gegner des BVB platziert, denn nur wenig deutete auf das hin, was seitdem geschah.

Nur 4 Spieltage später herrscht beim Revierclub große Ratlosigkeit. Der Club hat seit eben jenem 7. Spieltag in 7 Pflichtspielen lediglich einen weiteren Sieg eingefahren – im DFB-Pokal gegen die Drittliga-Kicker des 1. FC Magdeburg. Insbesondere die Art und Weise, wie sich der BVB gegen Mannschaften wie Hannover und APOEL Nikosia präsentierte, ließ die Verantwortlichen ratlos und die Experten erstaunt zurück. Das System Bosz, das gerade noch dabei war, die Bundesliga im Sturm zu erobern, gilt plötzlich als entschlüsselt und gescheitert.

Spätestens seit dem Spiel gegen die Eintracht aus Frankfurt erscheint es sich das erfolgversprechende Rezept herumgesprochen zu haben, bei Ballgewinn das aufgerückte Mittelfeld des BVB zu überspielen und die eigenen Stürmer mit langen, meist hohen Bällen auf gut Glück Richtung Roman Bürki zu schicken. Es war verblüffend zu sehen, wie einfach die Gegner mit diesem Stilmittel die bis dahin so sicher wirkende, aber immer wieder von Ausfällen geplagte BVB-Abwehr in ernsthafte Schwierigkeiten bringen konnten. Es wird langsam deutlich, dass Bosz im aktuellen Kader einfach nicht über das Spielermaterial verfügt, um dessen risikoreiches System zu praktizieren. Sokrates, Toprak und Bartra sind zwar allesamt sehr gute klassische Innenverteidiger, verfügen aber eben nicht über die Antrittsschnelligkeit und die Cleverness im Stellungsspiel, um dauerhaft in langen Laufduellen mit schnellen Stürmern zu bestehen.

Doch nicht nur defensiv klemmt plötzlich der Schuh. Auch die Offensive, die sich bis zum 7. Spieltag gern und häufig in einen Rausch spielte, tat sich gegen kompakt stehende, zurückgezogene und auf Konter lauernde Abwehrreihen zunehmend schwerer. Ein Mario Götze beschränkt sich zu oft darauf am Spiel teilzunehmen, anstatt diesem seinen Stempel aufzudrücken, und bei Pierre-Emerick Aubameyang hat der Beobachter hin und wieder tatsächlich den Eindruck, dass er in Gedanken doch eher bei einem der großen Vereine Europas oder im Luxus-Autohaus seines Vertrauens weilt, statt mit voller Konzentration seinen eigentlichen Aufgaben nachzugehen. Aber vielleicht ist auch er trotz seiner immerhin schon 10 Ligatore zu Teilen ein Opfer des Systems „Bosz“.  Dadurch, dass der BVB seinen Gegner bei Ballbesitz schon in dessen Hälfte massiv anläuft, bietet sich bei Ballgewinn kaum der Raum, die wohl größte Stärke von Aubameyang – seine Schnelligkeit – gewinnbringend einzusetzen.

Für Peter Bosz gäbe es also einige Gründe, dass eigene System selbstkritisch zu hinterfragen und mit kleineren Anpassungen den offensichtlichen Problemen entgegenzuwirken. Aktuell scheint er dazu aber noch nicht gewillt. Stattdessen lässt er Reporter, welche die Systemfrage stellen, reihenweise auflaufen. Sollte sich der Trend der letzten Wochen nach der Länderspielpause fortsetzen, wird man aber wohl auch vonseiten der Vereinsführung etwas mehr Anpassungsbereitschaft vom eigenen Trainer einfordern. Es bleibt also spannend.

Foto: Ronoll / Flickr (CC BY 2.0)

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